LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

Den Spaß wiederfinden

Artikel aus dem Höchster Kreisblatt vom 4.1.2014:

Trainiert wieder in heimischen Gefilden: Steffen Trenk bei einer Laufeinheit in der Kahlbachhalle. Foto: Reuß

Steffen Trenk möchte bei der LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain einen Neustart wagen
Nach zwei frustrierenden Jahren bei der LG Eintracht Frankfurt kehrt der Schwalbacher Leichtathlet in den Main-Taunus-Kreis zu seinen Wurzeln zurück.

Bad Soden.


Der 19 Jahre alte Sprinter aus Schwalbach begann schon im Alter von neun Jahren als Leichtathlet auf der Kurzstrecke. Begleitet vom Trainer-Ehepaar Christian und Sabine Müller durchlief Trenk bei der LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain sämtliche Jugendklassen und krönte seine Entwicklung im Jahr 2011 mit dem Sieg über 400 Meter bei den deutschen B-Jugend-Meisterschaften. In 48,73 Sekunden lief der damals 17-Jährige der nationalen Konkurrenz davon und weckte durch seinen Titel Begehrlichkeiten bei größeren Vereinen.

Große Hoffnungen

Daniel Limburger als Trainer des C-Kaders des Deutschen Leichtathletik-Verbandes holte den Schüler, nachdem dieser zum Leichtathleten des Jahres 2011 im Main-Taunus-Kreis gewählt wurde, zur LG Eintracht Frankfurt. Nicht nur der Übungsleiter, sondern auch Steffen Trenk selbst versprach sich von der Zusammenarbeit in der Kadergruppe und bei Eintracht Frankfurt eine Weiterentwicklung. Trenk sollte an die Erfolge aus dem Jahr 2011 anknüpfen.

„Steffen hatte aber in zwei Jahren drei Faserrisse, das war für ihn schon frustrierend“, erklärt sein aktueller Trainer Christian Müller. Trotz oder gerade wegen der hohen Trainingsbelastung von sieben bis acht Einheiten pro Woche war Steffen Trenk bei der LG Eintracht Frankfurt nie wieder der, der er noch bei seinem Heimatverein gewesen ist. Da die Verletzungen zudem meist in den kalten Monaten des Jahres kamen, und ein weit verbreiteter Spruch unter Leichtathleten besagt, dass im Winter die Athleten für die entscheidenden Wettkämpfe im Sommer „gemacht“ werden, verlief Trenks Engagement in Frankfurt ernüchternd. Ohne Trainer Limburger einen Vorwurf machen zu wollen – „wir haben eine gute Verbindung zu ihm“ (Müller) – erklärt Bad Sodens Übungsleiter Christian Müller, dass sein Schützling bei der Eintracht gerade in den Zeiten seiner Verletzung viel Krafttraining absolviert und dementsprechend stark an Gewicht zugenommen habe. „Für einen Sprinter wie Steffen war das zu viel“, äußert sich Müller über die mäßigen 400-Meter-Zeiten des Talents.

Ernüchterung

Trenk selbst relativiert das Thema Gewichtszunahme und erklärt, dass er ein Sportler sei, der „unheimlich schnell Muskulatur und Gewicht ansetzt“. „Es war gar nicht so viel Krafttraining, trotzdem war es schon zu spät, als ich so stark zugenommen hatte“, erklärt der Sprinter. Sein Trainer ergänzt: „Auf den ersten 280 bis 300 Metern war er richtig schnell unterwegs, dann ist er regelmäßig auf den verbleibenden gut 100 Metern eingebrochen“, analysiert der Trainer die Läufe seines Athleten. „Da musste die Muskulatur zu früh eine Sauerstoff-Schuld eingehen“, erklärt Müller. Die Vermutung, dass der Leistungseinbruch von Trenk in Zusammenhang mit seiner Gewichtzunahme zu bringen ist, liegt nah. Dazu kam, dass der junge Schwalbacher mental zunehmend ausbrannte.

Spätestens, nachdem sich seine C-Kader-Trainingsgruppe durch die Geburt des zweiten Kindes von Trainer Daniel Limburger auflösen musste, dachte Trenk im Frühjahr 2013 häufig ans Aufhören. „Steffen hatte richtig Frust. Da seine Freundin (Celina Koss; Anm. d. Red.) auch bei uns im Verein ist und den Kontakt zu Steffen herstellte, haben wir ihm nahegelegt, doch mal wieder nach Bad Soden zu kommen“, berichtet Trainer Müller von den Anfängen der Rückhol-Aktion.

Steffen Trenk rannte bei seinen altbekannten Trainern offene Türen ein und erschien im Spätsommer zum ersten Mal wieder auf dem Sportgelände der LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain. Die Prämisse von Christian und Sabine Müller, einfach wieder Spaß am Sport zu finden und sich über die kürzeren Sprint-Distanzen fit für seine Spezialdisziplin 400 Meter zu machen, fruchtete schnell. Trenk erschien immer regelmäßiger zum Training. So konnte der Wechsel von Eintracht Frankfurt zurück zu den Müllers noch vor dem Ende der Frist realisiert werden. „Nun gibt es drei wichtige Eckpfeiler, die wir mit ihm für die kommenden Monate festgelegt haben“, verrät Christian Müller. Spaß zu haben, steht auf der Agenda ganz oben, noch vor den Vorgaben, verletzungsfrei zu bleiben und das Körpergewicht zu reduzieren.

So trainieren Trenk und das Ehepaar Müller derzeit in vier bis fünf Einheiten pro Woche vor allem die Sprintausdauer und das Sprinten auf den kürzeren Distanzen. „Nur einmal die Woche steht Krafttraining auf dem Programm“, sagt Sabine Müller, die für das Erstellen der Trainingspläne zuständig ist. Sie bauen auf Trainingszyklen auf und sehen für das kommende Sprint-Jahr für Trenk vor allem die 100 oder die 200 Meter vor, um ihn langsam wieder an seine Lieblings-Distanz 400 Meter heranzubringen.

Neben seinem Studium, das Musikfan Steffen Trenk in Frankfurt als zukünftiger Tontechniker auf die Medienbranche ausrichtet, stellen sich für den 19-jährigen Schwalbacher auch in der Leichtathletik wieder die ersten kleinen Erfolge ein. „In Hanau ist Steffen über die 60-Meter-Distanz in 7,15 Sekunden Bestzeit gelaufen“, freut sich Christian Müller über die Fortschritte seines Schützlings.

Unterstützt durch das Ehepaar Müller und Trainingspartnern wie dem 400-Meter-Sprinter Alexander Lierke, der 2013 den Durchbruch schaffte, Kilian Gautsch oder Fabian Hromadka dürfte Steffen Trenk bei der LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain nicht nur die Geborgenheit seines Heimatvereins, sondern auch seine alte Form wiederfinden. „Jeder Trainer hat seine Ideen. Man kann bei 80 oder 90 Prozent der Übungen mit allen Athleten das Gleiche machen“, verdeutlicht Müller. Er begründet, warum er nicht nur an sein Training, sondern vor allem an Steffen Trenk glaubt: „Die letzten 10 bis 20 Prozent können ein Satz an der Beinpresse oder ein Sprint im Training zu viel sein, die den Sportler überfordern und zu Verletzungen führen. Das kann man nur richtig einschätzen, wenn man den Athleten gut kennt.“ Müller sind Trenks besondere Eigenschaften seit gut zehn Jahren bekannt. Nachdem der Athlet laut dem Trainer „den Spaß und das soziale Miteinander“ in Bad Soden wieder gefunden hat, hofft das gesamte Umfeld des Talents, dass aus dem Steffen Trenk im Winter 2013 ganz schnell wieder der alte, erfolgreiche Sprinter aus dem Jahr 2011 werden wird.
(Alexander Wächtershäuser)
FM