LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

Jetzt gilt’s für die Eisenmänner

Artikel aus dem Höchster Kreisblatt vom 08.07.2005:

Main-Taunus. Acht «Ironman» hat Lisa Bentley schon gewonnen. Bei ihrem Debüt gelang der Kanadierin, die beim Opel Ironman Germany am Sonntag in Frankfurt als Favoritin bei den Frauen gilt, einst eine Zeit von 9:29 Stunden – die zweitbeste Zeit eines weiblichen «Rookies» überhaupt. Eine Zeit, von der die Ironman-Einsteiger von der LG Bad Soden/ Neuenhain nur träumen können. Eine Zeit, die auch für viele «Wiederholungstäter» unter den Main-Taunus-Triathleten unerreichbar ist. Mal abgesehen von den Profis im Teilnehmerfeld, zu denen auch Kai Hundertmarck aus Eppstein und Uwe Widmann aus Hofheim zählen, gilt für das Gros der Eisenmänner und Eisenfrauen: Der Weg ist das Ziel.
Und der kann ganz schön lang werden. Am Sonntag für um 7 Uhr gibt Hessens Ministerpräsident Roland Koch den Startschuss für die Auftaktdisziplin: 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee. Danach geht’s auf die Radstrecke, die bis nach Bad Nauheim führt, und wenn die Triathleten nach 180 Kilometern Frankfurt wieder erreicht haben, müssen sie vor der Kulisse der Skyline noch 42,195 Kilometer entlang des Mainufers laufen. Ziel des Marathons ist auf dem Römerberg. Dort wollen sie alle ankommen, die sechs Triathleten der LG Bad Soden/Neuenhain, die das HK in den vergangenen Monaten ein wenig begleitet hat. Während Jörg Passler noch einen Kurzurlaub genutzt hat, um entspannt in den Ironman zu gehen, haben Michael Braun, Charly Köhler, Dieter Diethelm, Reinhold Schwarz und André Winkler noch schnell einen kleinen Fragebogen ausgefüllt und HK-Redakteurin Kerstin Schellhaas darüber Auskunft gegeben, wie’s um Form und Stimmung steht.

Winkler ist schon ganz zappelig
André Winkler bleibt bei seinem Ziel: Finishen. Am liebsten in einer Zeit unter 12 Stunden. «Schön wäre es, wenn ich beim Laufen nicht zwischendurch gehen müsste.» Und eines weiß er schon: Ab Montag will sich der 33-jährige Bauingenieur wieder mehr dem Leben neben dem Sport widmen. «Wahrscheinlich war der Weg zum Ironman viel schöner als der Ironman selbst», sagt er.
Zwei Tage vor dem Start...
...kann ich die Beine kaum noch ruhig halten, weil ich den Start nicht mehr erwarten kann. Ich will endlich meine antrainierte Form unter Beweis stellen und mir selbst beweisen, dass ich das drauf habe.
Die wichtigsten Erfahrungen in den vergangenen Monaten waren...
...dass ich Privates, Beruf und Sport einigermaßen unter einen Hut bekommen habe, obwohl ich anfangs daran gezweifelt habe.
Am Training gehasst habe ich...
...nichts. Noch nicht einmal die Radfahrten durch strömenden Regen oder Hagel.
Glücksmomente gab's immer dann...
...wenn ich eine lange, harte Trainingseinheit vollbracht hatte und noch Kraft für mehr gehabt habe.
Wenn ich am Sonntag das Ziel erreicht habe,...
...werde ich, wie versprochen, ein kleines Freudentänzchen vor der Ziellinie aufführen. Ich will die letzten Meter auf dem Römerberg genießen und mich feiern lassen.

Schwarz fühlt sich etwas träge
Reinhold Schwarz wird am Sonntag seinen vierten Ironman absolvieren. Sein Ziel ist unverändert: «Ich träume von unter 11 Stunden.» Der 47-Jährige holte sich den letzten Motivationsschub am vergangenen Wochenende beim Ironman in Klagenfurt, wo er seinen Freund und ehemaligen Bad Sodener Vereinskollegen Martin Dirkes 20 Sekunden unter die 10-Stunden-Marke geschrien hat. Er freut sich auf Sonntag. Stress will er sich ohnehin nicht machen. Wichtig ist es zunächst, bis zum Marathon durchzuhalten, danach sei alles möglich.
Zwei Tage vor dem Start...
...fühle ich mich zu dick und nicht fit genug. Aber das ist immer so...
Die wichtigsten Erfahrungen in den vergangenen Monaten waren...
...dass es wichtig ist, gute Freunde zu haben, die da sind, wenn man sie braucht – vor allem bei 540 Kilometer Radtouren zum Chiemsee.
Am Training gehasst habe ich...
...schlechtes Wetter.
Glücksmomente gab's immer dann...
...wenn die Testwettkämpfe besser gelaufen sind als gedacht.
Wenn ich am Sonntag das Ziel erreicht habe, werde ich...
...jeden umarmen, der mir in die Quere kommt, besonders Marion und meinen Sohn Bastian.

Diethelm bangt nur um die Knie
Dieter Diethelm fühlt sich gut – wären da nicht die permanenten Kniebeschwerden, die dem 42-jährigen Sulzbacher doch ein wenig Sorgen bereiten. Er hofft allerdings, dass er diese am Sonntag unterdrücken kann, wenn es nach dem Schwimmen und dem Radfahren auf die Marathon-Strecke entlang des Mainufers geht. «Jedenfalls gebe ich alles und eins ist gewiss: Aufgeben gilt nicht. Finishen ist das Ziel», sagt Diethelm. Das hat er schon einmal geschafft und kann sich noch recht gut an das tolle Gefühl im Ziel erinnern. In welcher Zeit er das erreicht, ist Nebensache.
Zwei Tage vor dem Start...
...kann ich so viel Nudeln essen wie ich endlich möchte.
Die wichtigste Erfahrung in den vergangenen Monaten war...
...dass beim ersten Ironman alles viel leichter war.
Am Training gehasst habe ich...
...nicht das Training. Ich hasse es nur, wenn ich verletzt bin!
Glücksmomente gab's immer dann...
...wenn ich bei meinen Wettkämpfen Familie und Freunde an der Strecke sah.
Wenn ich am Sonntag das Ziel erreicht habe, werde ich...
...auf die Uhr schauen und denken: Yups, schon da!

Köhler will sich selbst bremsen
Charly Köhler hat sich vor drei Wochen den Finger verdreht, der sich immer noch beim Radfahren und Schwimmen bemerkbar macht. Dennoch ist der 43 Jahre alte Kfz-Mechaniker aus Altenhain optimistisch. In der Vorbereitung hat er gelernt, dass er seinen Ehrgeiz nicht übertreiben darf. Deswegen hat er sich ganz fest vorgenommen, sich den Ironman bis zum Marathon gut einzuteilen, und dann noch zuzusetzen, wenn die Kraft reicht.
Zwei Tage vor dem Start...
...bin ich froh, dass ich bald bei meinem ersten großen Triathlon dabei bin.
Die wichtigsten Erfahrungen in den vergangenen Monaten Training waren...
Am Training gehasst habe ich...
...Kacheln zählen im Schwimmbad, hin und her die Bahnen ziehen, Chlor, rote Augen und bei den Sprints zur Belohnung auch Wadenkrämpfe zu bekommen.
Glücksmomente gab's immer...
...an schönen Tagen am Baggersee.
Wenn ich am Sonntag das Ziel erreicht habe,...
...werde ich um eine Erfahrung reicher sein.

Braun zwickt’s im Rücken
Michael Braun war gestern noch beim Chiropraktiker, der ihm einen Wirbel in Höhe Schulterblatt einrenken musste. Da war dem 41-Jährigen Hattersheimer dann doch etwas mulmig zumute. Die Vorbereitung aber lief prima, deswegen hat er sein Ziel auch vorsichtig korrigiert. Nach wie vor will der Ironman-Neuling durchkommen, aber eine Zeit um die 12 Stunden soll’s schon sein.
Zwei Tage vor dem Start...
...bin ich, kaum zu glauben, total ruhig.
Die wichtigsten Erfahrungen in den vergangenen Monaten Training waren...
...Disziplin, Ehrgeiz, Vernunft, und die Erfahrung, was man doch alles so leisten kann, wenn man will.
Am Training gehasst habe ich...
...den freiwillig gewählten Trainingsterminstress.
Glücksmomente gab's immer dann...
...wenn ich schlecht drauf war, trotzdem zum Training los bin und dann noch mehr gemacht habe als ich eigentlich wollte.
Wenn ich am Sonntag das Ziel erreicht habe, werde ich..
...beim Durchlaufen des Zielkanals an einen Menschen, den ich dieses Jahr verloren habe, denken, natürlich mich feiern lassen, und mich auf mein Engelchen Sabine freuen.