LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

6 Medaillen für LG BSN bei den Senioren-DM

Zum Einstieg muss auch der Chronist einräumen, dass ihm der Ort Leinefelde-Worbis bislang kein Begriff war. Dank Wikipedia wissen wir nun, dass diese nordthüringische Kleinstadt ein funktionsteiliges Mittelzentrum im östlichen Teil des Landkreises Eichsfeld ist. Und wie so oft, sind gerade kleinere Orte mit viel Engagement bei der Sache, wenn es gilt, Leichtathletik-Veranstaltungen einen schönen Rahmen zu bieten. Anne Reuschenbach meinte dann auch hinterher, dass die Deutschen Seniorenmeisterschaften 2016, die vom 8.-10.7. eben dort stattfanden, sehr gut organisiert waren, dass die örtlichen Ausrichter ( SC Leinefelde 1912 & SV Einheit 1875 Worbis) sehr professionell gearbeitet haben und es richtig Spaß gemacht habe. So stellen wir uns Leichtathletik vor!

Neben Anne (W 35) waren noch Margret Göttnauer (W 60), Peter Conrad (M 50) und Ernst Zuber (M 85) von der LG BSN im Leinesportpark am Start. Und sie hatten dabei nicht nur Spaß, sondern kamen auch gut dekoriert zurück. Den Vogel schoss dabei Peter Conrad ab. 800m-Weltrekordler Peter Oberließen war nicht am Start – er ist ja sonst immer für Titel gut. Aber Peter Conrad ist ja auch ein exzellenter Mittelstreckler und er nutzte seine gute Form zu seinem ersten Deutschen Meistertitel über 1500m. Nachdem er vom Start weg als führender das Tempo bis etwa 1300m bestimmte, fand er sich plötzlich nur auf Rang 4 wieder. Aber als alter Radsportler weiß er, was man mit einem sog. Konditionssprint erreichen kann. Und mit einem langgezogenen Sprint auf der Zielgeraden lief er das Rennen dann mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Saarländer Rainer Zender nach 3:25,64 nach Hause (siehe auch gesonderten Bericht).

Anne Reuschenbach spulte an den drei Tagen ihr gewohnt umfangreiches Programm ab. Als Mehrkämpferin hat sie derartige Belastungen gut im Griff. Zwei Vizemeisterschaften, ein Bronzeplatz und die Ränge 4 und 6 waren ihre hervorragende Ausbeute. Über die 100m Hürden schrammte sie mit 17,13 nur knapp an ihrer PB (17,07) vorbei. Nach ihrem Sturz vor einem Jahr hatte sie noch ein wenig Bammel vor den Hürden. Aber es lief dann trotz Seitenwind richtig gut und sie war mit der Zeit und Platz 2 sehr zufrieden. Die zweite Silbermedaille holte sie mit dem Stab. 2,60m standen am Schluss in der Ergebnisliste, damit nur 10cm unter ihrem Kreisrekord, dessen Einstellung dann doch nicht gelang, weil die Latte am Schluss dann doch gefallen ist.
Bei dem zitierten Sturz wurde ihre Schulter schwer beschädigt. 35,46m im ersten Versuch des Speerwerfens, Saisonbestleistung, Schulter gehalten, 3. Platz – „super“ waren ihre eigenen Worte. Die Diskus-Konkurrenz lag recht nah am Stabhochsprung, für den sie sich gut einspringen musste. So hörte sie nach dem 4. Versuch mit einer Weite von 35,12 auf, mehr als der 6.Platz war an diesem Tag nicht drin.
Der Weitsprung ist ja immer eine Disziplin mit hohem Frustpotential – Wind, Anlauf, Brett treffen, Übertreten – alles liegt oft eng zusammen. Mit 4,88 landete sie nur 6 cm hinter dem bronzenen Rang auf Platz 4. Ärgerlich, wie sie meinte, denn kurz vorher war sie in Darmstadt 4,97 gesprungen und hätte gerne die 5,00m geknackt. Aber dazu muss man eben gut das Brett treffen (s.o.) – und das klappte diesmal nicht so gut.

Margret Göttnauer hatte vor einigen Wochen bei der 10000m-DM Platz 5 belegt und Platz 5 stand am Ende auch beim 5000m Lauf in der Ergebnisliste zu Buche. Margret hatte nach dreiwöchigem lauflosen Urlaub nur 3 Wochen Vorbereitung und war daher nicht so ganz in Top-Form. Dazu kam, dass alle TeilnehmerInnen der Altersklassen M 50 bis M60 zusammen liefen. So wurde dann in einem Pulk von 4 m Länge und 1,50 m Breite etwa 8 Runden langtaktisch gelaufen, womit Margret überhaupt nicht zurechtkam. Das Tempo war zunächst zu langsam, dann musste sie einige Runden auf der Außenbahn laufen, damit sie nicht anderen in die Fersen trat und umgekehrt. Das kostete viel Kraft. Ab der 9. Runde wurde der Lauf sehr forciert, so dass 3 der W60-Damen nicht mehr folgen konnten und abreißen lassen mussten. Leider konnte Margret die vor ihr laufende 3. der W60 nicht halten und musste zu guter Letzt 30 m vor dem Ziel auch noch die letzte hinter ihr Laufende passieren lassen, so dass auch der 4. Platz entschwand. Trotzdem war es toll, dass ihre Zeit von 21:58,46 unter 22 Minuten blieb. Zur Einordnung: mit dieser Zeit liegt sie nur um rd. eine Minute über Platz 10 der LG-Vereinsbestenliste – vor ihr alles Läuferinnen, die ihre Zeiten in erheblich jüngeren Jahren gelaufen sind.

Kaum glaublich, dass man mit 85 Jahren noch in der Lage ist, einen Wettkampfhammer so zu werfen, dass man damit bei einer DM auf 26,07 kommt und deutscher Vizemeister wird. Ernst Zuber hat eben dies geschafft und dem noch einen weiteren Vizetitel über 100m hinzugefügt. Nur eine halbe Sek. hinter dem Sieger, aber über eine Sekunde vor dem zweiten – man sieht, in diesen Altersbereichen spielen die Hundertstelsekunden keine so große Rolle mehr. Ein 5. Platz im Speerwurf rundete auch Ernst Zubers gelungenes Wochenende ab.

FM