LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

Peter Conrad Deutscher Seniorenmeister über 1500m

Vier Jahre nach seinem ersten Auftritt bei Deutschen Seniorenmeisterschaften und einem neunten Platz über 1500m gelang Peter Conrad jetzt bei seinem zweiten Start bei den Deutschen am vergangenen Wochenende (9./10.7.) in Leinefelden-Worbis /Nord-Thüringen) der große Wurf – er holte den Meistertitel über 1500m in der Altersklasse M 50 mit einer Zeit von 4:25,64. Damit blieb er zwar rd. 3 Sekunden über seiner SB, aber Meisterschaftsrennen haben ja ihre eigene Renngeschichte. Und über diese Renngeschichte berichtet Peter jetzt selbst:

"Weil der Läufer mit der besten Qualifikationszeit, Andreas Müller vom LAV Zeven, nach dem Titelgewinn über 800 m nicht mehr zu den 1500 m angetreten ist, stand ich plötzlich mit der niedrigsten Meldezeit da. Nun hatte ich keinen Windschatten mehr vor mir, sondern musste mich darauf einstellen, das Tempo selbst zu bestimmen.
So kam es: Direkt nach dem Start übernahm ich ohne Federlesens die Führung und lief in der Folge drei 72er Runden hintereinander. Denn ich hatte mich nach Lage der Dinge dazu entschlossen, ein Tempo anzuschlagen, das weder zu niedrig ist, aber auch nicht zu scharf, um im Falle von Angriffen diese meinerseits beantworten zu können. Gleichzeitig horchte ich immer nach hinten, wie denn die Läufer atmen würden; da sie heftiger als ich schnauften, wusste ich mich bis jedenfalls 1200 m auf dem richtigen Kurs. Dennoch konnte ich mich zu einem Großangriff nicht entschließen, weil ein böiger Westwind die Zielgerade bestrich und daher die Gefahr bestand, auf den letzten Metern vor dem Ziel aus dem Windschatten überspurtet zu werden. Bei 1200 m also zog ich das Tempo nur ein wenig an, um die erwarteten Angriffe für die Konkurrenz anstrengend genug werden zu lassen, auf dass ich sie mit Gegenangriffen beantworten könnte. Die Angriffe erfolgten auch fast genau bei 1300 m: Als erster übernahm Rainer Zender (LC Rehlingen) die Spitze, und es drängten auf der Außenbahn zwei weitere Athleten aus dem Rheinland an mir vorbei. Nun gewahrte ich, dass ich kurz vor dem Scheitel der letzten Kurve auf der Innenbahn eingeklemmt war und suchte nach einer Lücke. In genau diesem Moment verschluckte ich mich auch noch am eigenen Speichel und musste für etwa eine Sekunde die Luft anhalten; wohl wissend, dass im Finale eines 1500-m-Laufes die Sauerstoffschuld rasch eintritt, konnte ich unter undefinierbarem Prusten und Röcheln rasch weiteratmen.
Hier half mir jetzt das Glück, und die Renntaktik schien aufzugehen: Weil ich, ohne es eigentlich selbst zu merken, das Tempo meinerseits verschärfte, brach der Angriff der Rheinländer in sich zusammen, und eingangs der Zielgeraden hatte ich die Lücke, die ich ersehnte. Nun merkte ich, dass Reiner Zender zwar einige Meter vor mir in Führung lag, diese aber nicht mehr ausbauen konnte; im Gegenteil, unter abermaliger Beschleunigung schloss ich zu ihm auf und war bei 50 m vor dem Ziel bereits auf gleicher Höhe. Mit entschlossenem Konditionssprint übernahm ich die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Dort angekommen, war ich so erschöpft, dass ich mich nur sehr zögerlich über meine erste Deutsche Meisterschaft freuen konnte."


FM