LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

140 Jahre TG Bad Soden – 103 Jahre Leichtathletik

Die TG Bad Soden, einer der Stammvereine der LG BSN, feierte am 23. Mai 2015 ihren 140jährigen Geburtstag. Der nachfolgende Beitrag beschäfigt sich mit der Geschichte der Leichtathletik in der TG. Der Artikel ist in den Vereinsnachrichtenten Nr. 133 der TG erschienen.


Wenn das Stichwort „Leichtathletik“ in Bad Soden aufgerufen wird, denkt man zuerst und zuvorderst an die LG BSN, in der die Leichtathletik in der Kurstadt seit 1984 gebündelt ist und die die Sportart hier nachhaltig geprägt hat (und seit 2009 auch die in Sulzbach). Tatsächlich hat die Leichtathletik hier aber schon eine lange davor begründete Tradition. Zwar dauerte es nach der TG-Gründung im Jahre 1875 noch 37 Jahre, bis die Vereinschronik leichtathletische Aktivitäten dokumentiert: 1912 wurde eine Sportriege für das „Volksturnen“ gegründet – so hieß die Leichtathletik damals noch. Aber die Leichtathletik in Bad Soden ist damit immerhin auch schon über 100 Jahre alt!

Mangels anderer Angaben ist davon auszugehen, dass die TG-Aktivitäten zunächst im Rahmen der turnerischen Betätigung unter dem Dach des Deutschen Turnerbundes (gegründet 1848) erfolgten. Für die reine (Leicht-)Athletik wurde schon 1898 in Berlin die „Deutsche Sport-Behörde für Athletik“ gegründet, die Vorläufer-Organisation des heutigen Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Sie hatte seinerzeit 33 Mitgliedsvereine und führte im gleichen Jahr erstmals Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften durch. Hintergrund für die Separierung war, das bei den Turnern das „Turnerische“ gegenüber dem „Sportlichen“ der Leichtathleten vorherrschte.
Einer der frühen Streitpunkte zwischen Turnern und anderen Sportlern war die Frage des Wettkampfcharakters. 1891 hatte die Deutsche Turnerschaft das Turnen um Medaillen und Preise offen verurteilt. In der Folge kam es erst zu einer Ersetzung der Personenwettkämpfe durch Riegenwettkämpfe (Verein gegen Verein). Schließlich wurde auf den Turnfesten der Wettkampf komplett abgeschafft. Für viele Jugendliche wurde das Turnen unattraktiv und es erfolgte eine Zuwendung zum Sport nach englischem Vorbild.
1921 kam es zum Kompromiss der Doppelmitgliedschaft: die Spielabteilungen von Turnvereinen konnten auch an den Meisterschaften der Sportverbände teilnehmen. In dieser Zeit wurden dann auch viele Vereine als Turn- und Sportvereine bzw. Turn-und Sportgemeinden ausgestaltet – m.a.W. Turnen und Sport unter einem Dach.

Über Aktivitäten in der leichtathletischen Anfangszeit der TG berichtete die Bad Sodener Zeitung (BSZ) - im August 1913 nahm die TG an einem Sportfest von Germania Okriftel teil, bei dem Heinrich Leichtfuß den 1. Preis im 50m- und 100m lauf gewann.

Die 20e und 30er Jahre

In den zwanziger und dreißiger Jahren ist in der örtlichen Presse nicht viel über konkrete leichtathletische Aktivitäten berichtet worden. Hauptsächlich bestanden sie wohl in der Teilnahme an Turnfesten wie dem Feldbergfest, das damals ungeheuer populär war. Meisterschaften wurden nicht erwähnt. Sehr breiten Raum nahmen in der BSZ-Berichterstattung übrigens der Fußball und das Schwimmen, insbesondere über den ESSC, ein. Über die TG wurde wenig geschrieben. In den dreißiger Jahren bestimmten dann die sportlichen Aktivitäten im Rahmen der NS-Strukturen die Presseberichterstattung.

Unvergessen: die Erfolge von Ilse Peters

Nach den Umwälzungen während der Nazizeit und den Neustrukturierungen während der Zeit des Alliierten Kontrollrates gab es zwischen 1945 und 1952 lediglich die SG Bad Soden, in der anfangs nur Fußball und Handball erlaubt war, später dann auch Leichtathletik und Turnen. Neben einigen Erfolgen bei Kreismeisterschaften (erwähnt werden in der BSZ die Erfolge von „Frau Goltz“ im Sprint und im Kugelstoß) ragte insbesondere Ilse Peters heraus. Die Stammspielerin der Sodener Handballfrauen schleuderte den Diskus auf seinerzeit beachtliche 41,55 und wurde Süddeutsche Meisterin, damals eine der größten Erfolge für die Sodener Leichtathletik.

Nach der Wiedergründung der TG in 1952 nahm auch hier die Leichtathletik wieder Fahrt auf. Teilnahme an Gauturnfesten, Kreismeisterschaften, an sonstigen Turnfesten aller Art (z.B. Feldbergfest), aber auch an den in den in dieser Zeit beliebten „Kampfspielen“ – Lorsbachtal-, Taunus- oder Limeskampfspiele in Lorsbach, Hofheim und Schwalbach - bestimmten das Wettkampfgeschehen dieses Jahrzehnts.

Alles unter dem Etikett „Turnen“. So titelte die BSZ z.B. im Juli 1954: „Sodens Turner holten 12 Kreismeister“; weiter heißt es dann in dem Artikel: „Unserer Sportjugend herzlichen Glückwunsch zum Erfolg, über den sich am meisten die Altersturner und Ausbilder freuen. Noch viel größer aber wäre ihre Freude, wenn noch viel mehr kämen, um an solch schönen Wettkämpfen wie überhaupt an der gesunden Körperschulung der TG teilzunehmen“. Es war noch die Zeit, als die jungen Sportler noch nicht so spezialisiert waren. Die Turner betrieben Leichtathletik, Turnspiele, aber auch Handball und oft auch Fußball.

Stätte der heimischen Aktivitäten war der damalige Sportplatz im Eichwald. Leistungsmäßig sind aus dieser Zeit zu erwähnen: Inge Dittmer, Trudel Riedel, Marie Luise Scheurich, Jutta Riemer, Hans Georg Mies, Rudi Matzke. Sie waren wohl alle Turner, betätigten sich aber eben auch als Leichtathleten und waren bei Kreismeisterschaften und den genannten Turnfesten recht erfolgreich – im Einzel wie auch in den Staffeln.

An- und Abturnen

Noch 1964 war von Anturnen die Rede, wenn – in der heutigen Terminologie – die Bahneröffnung zu Beginn der Saison gemeint war. Das Abturnen beschloss dann die Saison, lange Zeit mit der Durchführung der Stadtmeisterschaften, die 1964 das erste Mal ausgerichtet wurden. Diese hatten früher einen hohen Stellenwert. So wurden Tage später die Sieger in einer besonderen Veranstaltung im Paulinenschlößchen von der Stadt geehrt.

Die Einweihung der neuen Sportanlage im Altenhainer Tal 1965 gab der TG-Leichtathletik, die jetzt dort trainierte, neuen Auftrieb. Gute Resultate bei Kreismeisterschaften und Turn- bzw. Sportfesten legen davon Zeugnis ab. Günther Müller, Klaus Malinowski, Gundula und Ingrid Hansmann, Günther Zenckner oder Rainer Bredefeld können hier genannt werden.

Die Ära Ileana Medrea

1967 brachte etwas internationales Flair in die LA-Szene – holländische Gäste aus Aalsmeer maßen sich mit der TG im Juni bei Wettkämpfen in der Kurstadt. Im September stattete dann die TG ihren Gegenbesuch in Aalsmeer ab.
1967 trat auch Ileana Medrea als Übungsleiterin in die TG ein Sie drückte im folgenden Jahrzehnt der Leichtathletik in der TG ihren Stempel auf. Spätere Auszeichnungen mit der bronzenen und dann der silbernen Ehrennadel des hessischen Leichtathletikverbandes (HLV) waren ein verdienter Lohn für ihre großartige Arbeit. Schon in ihrem ersten Jahr schrieb die BSZ über eine „ständige Steigerung der TG-Leichtathletik, was auf eine erfolgreiche Zukunft der Abteilung schließen lässt“.
Einer dieser erfolgreichen Athleten war Horst Zacharias, der als A-Jugendlicher vornehmlich auf den längeren Strecken viele vordere Plätze errang (u.a. bei den Hessischen Jugendmeisterschaften) und als einer der ersten TGler 1968 mehrfach in der Bestenliste des Bezirks Wiesbaden vermerkt war. Seine 1:58,8 über 800m wären noch heute LG BSN-Vereinsrekord bei der m U20 über 800m. Auch über Ingrid Hansmann (in der BSZ oft noch als „Frl. Hansmann“ bezeichnet), H.J Fricke, W. Schrodt und Gerhard Bareuther wurde viel Erfolgreiches berichtet. Alle genannten AthletInnen prägen auch die Erfolge der TG Ende der 60er Jahre.

Die Entwicklung hin zum Wettkampfgeschehen

Mehr und mehr verlagerten sich die TG-Aktivitäten in den 70er Jahren jetzt auf das normale Leichtathletik-Wettkampfgeschehen – Meisterschaften und Sportfeste, was die gelegentliche Teilnahme an Turnfesten nicht völlig ausschloss. Das Turnerische blieb aber auch hier und da erhalten: so titelte die BSZ am 8.6.1972: "8 Kreismeister für die Turner“. Auch ein neues Wettkampftrikot wird vermeldet: 3 goldene Linden auf blauem Grund. Bei den Stadtmeisterschaften, die seit 1964 regelmäßig abgehalten wurden (1981 auch mit TeilnehmerInnen aus der Partnerstadt Rueil-Malmaison), war die TG Abonnementssieger in der Stadtstaffel.

Vielleicht wurde in der örtlichen Presse nicht über alle Erfolge der TG berichtet. Jedenfalls nahmen die Meldungen über Erfolge des Nachbarvereins TSG Neuenhain deutliche mehr Raum ein. Es ist aber ja oft eine Frage, wer sich hinsetzt und die Presse mit Informationen versorgt. Die örtlichen Zeitungen haben nun mal keine Reporter, die regelmäßig überall dabei sind. So wurde in den TG-Vereinsnachrichten auch in späteren Jahren immer mal wieder die mangelnde Pressearbeit der Abteilung beklagt.

Im weiteren Verlauf der 70er Jahre schnitt die TG auch zunehmend bei Bezirks- und Hessenmeisterschaften erfolgreich ab. Wirklich herausragend war Thomas Althennn in den Jahren 1974 bis 1979 in den verschiedenen Altersklassen im Speerwerfen, teilweise aber auch in anderen Disziplinen. Neben mehreren Titeln auf Kreis- und Bezirksebene holte er sich 1976 den hessischen Vize-Meistertitel bei der A-Jugend. Im selben Jahr kam er bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften auf einen großartigen 11. Platz. Bei vielen überregionalen Sportfesten quer durch Deutschland gewann er oft und verbesserte ständig seine Bestweiten (was meistens auch die DM-Normerfüllung bedeutete) – schließlich auf 66,92m, erzielt bei einem Ländervergleichskampf im September 1977, in dem er die Farben Hessens vertrat. Später wechselte er zum ASC Darmstadt, wo er sich noch einmal steigerte - 73,64m.

Weiter muss noch J. Behrle erwähnt werden – er betrieb das Hammerwerrfen, das bis heute in der LG BSN nicht so recht Fuß gefasst hat. Seine Bestweite betrug 1976 39,46m, was ihm in jenem Jahr den Bezirksmeistertitel einbrachte. 38,36 reichten ihm dann zu Platz 5 bei den Hessischen Jugendmeisterschaften. Weitere Namen aus den 70ern und dann auch Anfang der 80er, die mit Titeln auf Bezirks- und Kreisebene und teilweise vorderen Plätzen in Hessen in den Jugendaltersklassen verbunden sind, waren I. Hansmann, die Geschwister Pötz, die Gebrüder Schieferer (Robert ist übrigens heute HLV-Landes-Kadertrainer für Sprint und Hürden) und Christine Korbach. Statistisch gesehen war 1979 mit 20 Kreismeistertiteln und noch mehr guten Platzierungen das erfolgreichste Jahr für die Leichtathleten (zum Vergleich: in 2013 holte die LG BSN insgesamt allein 78 Kreistitel, dazu Regional- und Hessentitel – die Senioren auch Deutsche Meisterschaften).

Aber auch im Schülerbereich tat sich etwas. Herausragend Susanne Haaf, die sich für die Deutschen Schülermeisterschaften 1978 in Berlin qualifizierte, dort aber nicht im Vorderfeld landen konnte. Ihre seinerzeitige Bestleistung von 1,62 bedeutet noch heute Kreisrekord der Altersklasse W 14. Den anderen Kreisrekord, der noch heute von einer TG-Athletin gehalten wird, stellte Annette Dittrich 1972 mit 44,00m im Schlagballwurf der W 11 auf.

In dieser Zeit hatten sich auch die Trainingsmöglichkeiten verbessert. 1976 wurde die neue Sportanlage in Neuenhain am Sauerborn in Betrieb genommen. Zum erstenmal stand damit eine 400m Rundbahn zur Verfügung, vor allem nach der Gemeindereform 1977, die u.a. zur Eingliederung von Neuenhain in Bad Soden führte. Diese Rundbahn wurde übrigens erst 2002 mit einer Kunststoffpiste ausgestattet.

Die 70er und 80er Jahre

Die recht erfolgreiche Phase der TG-Leichtathletik Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre (auch bezüglich der Zahl der Mitglieder: bis zu 130 aktive AthletInnen) hängt auch mit dem recht starken Angebot an ausgebildeten Trainern zusammen – genannt seine hier neben Ileana Medrea auch Hans und Monika Tomann, die sich um die Pressearbeit verdient machten, Frank Bauerfeind, Anette Jakobs, Bärbel Pötz, Bernhard Alfter, Holger Bürskens, Andreas Gehlen, Michael Lierke und Rainer Rückelshausen. Mit Gerhard Wirth stand dann 1981 ein noch junger Leiter der Abteilung vor. Er führte dann die TG auch 1983 in die LG mit der TSG Neuenhain.

Anfang der 80er Jahre ragte dann Sven Winkler heraus. Er lief bei den Hessischen A-Jugendmeisterschaften 1983 als erster Jugendlicher im Main-Taus-Kreis die 100m unter 11 sek. – 10,9sek bedeuteten Platz 5. Sven steht noch heute in den ewigen Bestenlisten der LG BSN über 100m und 400m ganz weit oben.

Erfolgsgeschichte LG BSN

1983 brachte dann zum Jahresende wesentliche Veränderungen in die Bad Sodener Leichtathletikszene. Die beiden Sodener Vereine TG und TSG Neuenhain (die ja seit der Gemeindereform 1977 zu Bad Soden gehörte) beschlossen, im Erwachsenen- und Jugendbereich gemeinsame Wege in Form einer Leichtathletikgemeinschaft zu gehen: DieLG Bad Soden/Neuenhain wurde aus der Taufe gehoben. Schon in 1981 hatten beide Vereine beschlossen, für die Leistungsgruppe eine Trainingsgemeinschaft zu bilden, die von Frank Bauerfeind geleitet wurde. In der damaligen Pressemeldung vom 29.12.1983 wird von der Vereinbarung zur Gründung berichtet, die vor allem von den jungen Aktiven gewünscht wurde, die sich schon aus der bestehenden Trainingsgemeinschaft kannten.

Die Erwartung war auch, dass sich bessere Erfolgsaussichten bei Mannschaftskämpfen und in den Staffeln ergeben würden. Auch der Ausgleich unterschiedlich stark besetzter Jahrgänge soweit ganz allgemein die Stärkung der Leichtathletik in Bad Soden zur effektiveren Nutzung der Sportanlagen zählten zu den Zielen. Die ersten Vertreter der TG im neuen Vorstand der LG waren Gerhard Wirth, Frank Bauerfeind und Klaus Bothe. Für die TSG Neuenhain saßen Elisabeth Blasch, Walter Eifert und Helmut Heret in dem Gremium.

Die LG wurde dann ab 1.1.1984 aktiv, zunächst allerdings noch ohne die Schülerklassen, die weiterhin in ihren Stammvereinen ihre „leichtathletische Heimat“ hatten und erst 2003 in die LG integriert wurden. In den 31 Jahren ihres Bestehens hat sich die LG zu einer wahren Erfolgsgeschichte entwickelt.

Zusätzlichen Schub bekam sie 2009, als die TSG Sulzbach der LG beitrat, die unter Wahrung ihrer alten Abkürzung (LG BSN) jetzt LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain hieß. Sie hat nicht nur wegen ihres auffälligen Namens in Hessen einen bekannten Klang, sondern vor allem auch wegen der großen Erfolge, die sich dann einstellten. Die vorher in Bad Soden nicht so in Erscheinung getretenen Langstrecken-Disziplinen wurden durch eine immer stärker werdende Seniorengruppe enorm belebt und auf der Bahn eilten die nun in der LG vereinten AthletInnen über die Jahre von Erfolg zu Erfolg.

Die aktuelle Bilanz für 2014 kann auf der Homepage der TG nachgelesen werden. Dort wird auch regelmäßig über die wesentlichen aktuellen Wettkämpfe und Ereignisse der LG BSN berichtet.

FM