LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

Bericht vom Jungfrau-Marathon 2009 (Alfred Markowetz)

Jungfrau-Marathon 2009


4121 Läuferinnen und Läufer aus 60 Nationen starteten am Samstag 5.September um 09:00 Uhr bei Bilderbuchwetter zum 17. Jungfrau-Marathon in Interlaken. Petrus zeigte sich gegenüber dem Vorabend als es noch bis abends heftig regnete von der besten Seite. Bilderbuchwetter und mit Schnee leicht gezuckerte Bergriesen bildeten die Kulisse.
Der Neuseeländer Jonathan Wyatt gewann souverän bei optimalen äußeren Bedingungen in der Zeit von 2:58:44,4 vor dem Unterwalliser Tarcis Ançay aus St-Jean in 2:59.55,4 und Robert Krupicka aus Tschechien im 3:00.38,1. Der Neuseeländer Jonathan Wyatt ist seit Jahren der Dominator der Bergläufe. Neben dem Jungfrau-Marathon gewann er überlegen den Mountain-Marathon-Cup, der Gesamtwertung aus dem LGT Alpine Marathon, Zermatt-Marathon und Jungfrau-Marathon..
Bei den Damen konnten Claudia Landolt aus Jonschwil in 3:34.24,4 und Jasmine Nunige aus Davos in 3:36.47,6 einen Doppelsieg für die Schweiz realisieren.

Die Marathon-Strecke
Der Jungfrau-Marathon gilt als die schönste Marathon-Strecke der Welt! Phantastisch die Kulisse der Bergriesen, großartig die wechselnden Szenerien zwischen Start und Ziel. Eine Herausforderung die 1829 Höhenmeter zwischen Interlaken und der Kleinen Scheidegg. Es gibt keinen Marathon in Europa mit derartigen Dimensionen. Eiger, Mönch und Jungfrau-Marathon: das berühmteste Dreigestirn der Alpen.

Erlebnis und Abenteuer zugleich - das ist die Jungfrau-Marathon-Idee
Nach dem Start eine 3-km-Schlaufe durch Interlaken. Dann ein Abstecher zum fast 300 m tiefen grün-blauen Brienzersee. Die ersten 10 km sind flach als wär's ein City-Marathon. Bei der uralten Holzbrücke von Wilderswil folgt der erste ruppige Anstieg. Hinauf geht's, das Tal wird enger, Felswände prägen jetzt die Landschaft. Km 20: das Marathon-Dorf Lauterbrunnen, mit dem berühmtesten Wasserfall, dem Staubbach, genau bei halber Distanz. Es folgt auf 800 m Höhe eine völlig flache 6-km-Schlaufe zum Trümmelbach, bevor - bei km 26 - der ganz grosse Aufstieg beginnt. Hinein in die Wand: 26 Serpentinen bis Wengen! Hier, auf der Sonnenterrasse, hoch über dem Tal, erreichen wir den 30. Kilometer. 30 Kilometer hinter uns, 800 Höhenmeter unter uns - aber das grosse Ding beginnt erst:
Noch liegen knapp 1000 m Steigung vor uns . . .
Mettlenalp, Wengernalp, Baumgrenze und ein Panorama das uns noch den letzten Atem nimmt: saftige Alpweiden, schroffe Felsen, Gletscher, die höchsten Eiswände der Alpen. Über uns thront die Jungfrau, zusammen mit dem Matterhorn und dem Mont Blanc der berühmteste Gipfel Europas. Und jetzt der Höhepunkt: die berüchtigte, die viel besungene Gletschermoräne) - und das nach 40 km. Der letzte km führt nur noch abwärts - abwärts, auf dass wir hier in Ehren ankommen, am Ziel auf der Kleinen Scheidegg.

Die Streckendaten
1829 m Steigung / 305 m Gefälle

Ich hatte mir 4:30 h als Richtschnur vorgenommen, wissend dass das schwer zu ereichen war. In 2002, in dem Jahr war ich sehr gut drauf- hatte ich 4:31 h gebraucht.
Vor dem Start war ich lange am überlegen ob kurze oder lange Hose und entschied mich dann doch für kurz. Der Wetterbericht kündigte Temperaturen von 6 C im Ziel an und auf den Livebildern am morgen im TV vom Ziel lag noch Schnee.
Ich lief verhalten an, 5er schnitt im flachen, wenn es dann mal hoch ging war es auch mal ein 6er Schnitt. Bei Halbmarathon (bis dahin ca 250 Höhenmeter) hatte ich knapp unter 1:50h. Das lief sich sehr gut und locker. Einzig die eingesteckten Handschuhe nervten etwas. Die Stimmung in den Dörfern an der Strecke war urig nett mit Kuhglockenläuten oder Akkordeonspielern.
Dann beim Anstieg nach Wengen (400 Höhenmeter auf 2 km) musste ich zum ersten mal gehen, war aber schneller als die meisten im Feld. In Wengen selbst konnte man wieder etwas verschnaufen, denn es ging kurzzeitig flach. Dann ging es mäßig hoch weiter und ich konnte viel Leute überholen. Überhaupt war meine Zwischenzeit von 1:01 h von Wengen (km 30.3) nach Wixi (km 37.9) meine relativ beste. Hier machte sich mein Feldbergtraining bezahlt. Dass ich aber für die letzten 4.3 km von Wixi ins Ziel 43.48 min brauchen würde hätte ich nicht gedacht. Hier konnte man allerdings auch so gut wie nicht mehr überholen, da der weg schmal und steinig war und ich reihte mich also in die Schlange ein. Bei km 41 war dann der Anstieg zu Ende (Eigergletscher 2200 m) und von einem kleinem Zwischenanstieg abgesehen ging es dann bergab ins Ziel zur kleinen Scheidegg (2100m), wo ich nach 4:39:29 h finishte. Damit wurde ich in der Gesamtplatzierung 800. von 4121 , in der M45 164. von 666.

Nach einer warmen Dusche im Zelt genoss ich bei einem Kaffee (und später einem Radler) auf der Berghütte bei Sonnenschein den Blick auf die Jungfrau (Eiger und Mönch blieben in den Wolken) und die ins Ziel Einlaufenden.
Herrlich auch die Rückfahrt ins Tal mit der Zahnradbahn, die nochmals Einblicke auf die Strecke ermöglichte und auch ca 1 ½ h brauchte.
Abends ging es noch auf die Siegerehrung im Zelt mit Pasta, Pizza und Bier mit Bildern vom Rennen und Vorstellung der Sieger.
Also für jeden der Bergläufe, Bergwandern und auch Marathons mag, kann ich die Veranstaltung nur empfehlen.
Alfred Markowetz

Bilder gibt’s unter:
www.marathon-photos.com

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